Esmaeil Baghaei, Sprecher des Außenministeriums der Islamischen Republik, sagte am Montag, dem 2. November 2026, bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz, weil die USA und Israel Ali Khamenei getötet hätten, den er als Urheber der Fatwa gegen Atomwaffen bezeichnete, sei eine Änderung der Nukleardoktrin der Islamischen Republik „ein reales Thema“ und dürfe nicht auf die innenpolitische Debatte beschränkt bleiben.
Baghaeis Aussage beruht auf der Annahme, das Atomprogramm der Islamischen Republik sei bisher wegen einer religiösen Fatwa vom Bau einer Bombe abgehalten worden und mit dem Tod ihres Urhebers sei dieses Hindernis gefallen. Die Belege stützen diese Annahme nicht.
Eine Fatwa, die nie aufgeschrieben wurde
In der offiziellen Sammlung der religiösen Rechtsgutachten Ali Khameneis wurde kein schriftlicher Text veröffentlicht, der als Fatwa gegen die Herstellung von Atomwaffen bezeichnet ist. Eine Untersuchung der Denkfabrik Atlantic Council zeigt, dass das, was Diplomaten der Islamischen Republik jahrelang als „Fatwa“ präsentierten, der Schlussabsatz seiner Botschaft an eine Konferenz in Teheran im Jahr 2010 war. Darin wurde der „Einsatz“ dieser Waffen für verboten erklärt, nicht aber ihre Herstellung und Lagerung. Laut derselben Untersuchung kam die Idee der Fatwa erstmals 2004 in Verhandlungen mit drei europäischen Staaten auf; Hassan Rohani, damals Chefunterhändler, sagte später, er habe sie vorher nicht mit dem Führer der Islamischen Republik abgestimmt.
Anreicherung auf 60 Prozent und verschwundenes Uran
Gerade in den Jahren, in denen von der „Fatwa“ die Rede war, steigerte die Islamische Republik die Urananreicherung auf 60 Prozent, ein Niveau, das kein ziviles Kraftwerk braucht. Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, sagte am 27. Oktober vor dem Sicherheitsrat, die Behörde könne nicht bestätigen, dass kein Nuklearmaterial abgezweigt wurde, und 440 Kilogramm hochangereichertes Uran seien weiterhin nicht auffindbar. Seit Beginn der Angriffe im Juni 2025 konnten die Inspektoren nicht an die bombardierten Standorte zurückkehren.
Fazit
Baghaei schiebt die Drohung mit dem Bombenbau auf die „Ermordung des Urhebers der Fatwa“, obwohl es keine schriftliche Fatwa gab und das nukleare Verhalten der Islamischen Republik sich nie danach richtete. Die Behauptung ist irreführend. Wenige Tage zuvor hatte auch der stellvertretende Freitagsprediger von Teheran eine 70-prozentige Zustimmung der Bevölkerung zu einem Wechsel der Nukleardoktrin behauptet.
Die Fatwa gegen Atomwaffen wurde nie aufgeschrieben, doch die Islamische Republik steigerte die Anreicherung auf 60 Prozent.

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