In einer Anklageschrift vom 15. Oktober 2026, die am Freitag, dem 23. Oktober, öffentlich wurde, hat die Staatsanwaltschaft am spanischen Nationalen Gerichtshof die Schüsse auf Alejo Vidal-Quadras, einen früheren Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, einer verdeckten Operation der Geheimdienste der Islamischen Republik gegen ihre Gegner im Ausland zugeschrieben. Es ist das erste Mal, dass die spanische Staatsanwaltschaft den Madrider Anschlag in einem offiziellen Gerichtsdokument direkt mit der Islamischen Republik in Verbindung bringt.
Vicente González Mota, der zuständige Staatsanwalt, fordert für Mehrez Ayari, den mutmaßlichen Schützen, 27 Jahre Haft wegen „versuchten terroristischen Mordes“ und „Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung“. Mehrjährige Haftstrafen werden auch für seinen wichtigsten Fluchthelfer und mehrere weitere Angeklagte gefordert, die an der Ausspähung sowie der Beschaffung eines Motorrads, eines Autos und von Telefonen beteiligt waren. Sami Bekkal, den die Staatsanwaltschaft als Koordinator der Operation ansieht, ist weiterhin flüchtig; die Ermittler vermuten ihn in Iran.
Ein Anschlag am helllichten Tag in Madrid
Alejo Vidal-Quadras, Mitbegründer der Partei Vox, wurde am 9. November 2023 in der Madrider Calle Núñez de Balboa aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen. Die Kugel traf seinen Kiefer; er überlebte nach einer Operation. Der Schütze floh auf einem Motorrad, das sein Komplize fuhr, wurde Monate später in den Niederlanden festgenommen und an Spanien ausgeliefert.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollte der Anschlag Vidal-Quadras für seine politische Tätigkeit gegen die Regierung in Teheran bestrafen und Anhängern von Oppositionsbewegungen eine Botschaft senden. Im Oktober 2022 hatte das Außenministerium der Islamischen Republik als Reaktion auf europäische Sanktionen nach dem Tod von Mahsa Amini seinen Namen auf seine eigene Sanktionsliste gesetzt und ihm „Unterstützung des Terrorismus“ vorgeworfen. Vidal-Quadras war jahrelang ein prominenter Unterstützer des Nationalen Widerstandsrats, des politischen Arms der Volksmudschahedin (MEK), in Europa.
Ein Muster transnationaler Repression
Der Madrider Fall reiht sich in andere Verfahren ein, die europäische Gerichte in den vergangenen Jahren wegen Plänen der Islamischen Republik eröffnet haben, Oppositionelle und Journalisten auf europäischem Boden zu ermorden oder zu entführen. In vielen dieser Fälle wurde die Ausführung, wie auch die spanische Staatsanwaltschaft beschreibt, angeheuerten kriminellen Netzwerken übertragen, damit die direkte Spur des Geheimdienstapparats verborgen bleibt.
Für die Angeklagten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung; ein Prozesstermin wurde noch nicht bekannt gegeben.
Die spanische Staatsanwaltschaft sieht die Schüsse auf einen europäischen Politiker in Madrid offiziell als Werk der Geheimdienste der Islamischen Republik.

Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei die erste Person.