Albaniens Ministerpräsident Edi Rama hat der Islamischen Republik und Russland vorgeworfen, die Unruhen zu schüren, die die Hauptstadt Tirana seit Dienstag, dem 13. Oktober, erfasst haben. In einer einstündigen Videobotschaft am Sonntag, dem 18. Oktober, sagte er, die Proteste verliefen „unter ausländischer Lenkung“, und am Montag, dem 19. Oktober, warf er der Islamischen Republik und Russland bei einem Treffen mit Polizeikommandeuren vor, Desinformation im Internet zu verbreiten.
Nach Angaben des albanischen Regierungschefs wurden Zehntausende gefälschte Konten mit Verbindungen zur Islamischen Republik unter dem Deckmantel von Umweltaktivismus aktiviert, um die öffentliche Debatte in Albanien zu beeinflussen. Er sagte zudem, Russland sei „kein Verbündeter Albaniens“, und warnte vor einer Welle russischer Einflussnahme in sozialen Netzwerken. Rama sprach von „zahlreichen Beweisen“ für eine Einmischung Teherans und Moskaus, machte deren Einzelheiten aber nicht öffentlich.
Die Unruhen in Tirana und die Forderungen der Demonstranten
Die Proteste begannen mit Forderungen zur Lage an den Universitäten, zu hohen Studiengebühren und zur Korruption; die Demonstranten verlangen Ramas Rücktritt. Die Protestwelle der vergangenen Monate in Albanien war ursprünglich durch den Plan ausgelöst worden, in einem Schutzgebiet einen umstrittenen Tourismuskomplex zu bauen. Am Sonntag, dem sechsten Tag der Unruhen, ging die Polizei mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor, und eine Gruppe Vermummter steckte eine Polizeiwache in Tirana in Brand. Nach Ramas Angaben wurden bislang 295 Menschen verletzt, mehr als die Hälfte davon Polizisten.
Der albanische Ministerpräsident sagte, Protest sei legitim, Gewalt aber nicht, und er werde mit allen sprechen außer mit Gewalttätern. Er versprach jedem Polizisten an vorderster Front eine Prämie von 2.500 Euro und sagte seinen offiziellen Besuch in Österreich ab. Auch die US-Botschaft in Tirana und die Europäische Kommission riefen alle Seiten zur Zurückhaltung auf.
Hintergrund der Konfrontation Albaniens mit der Islamischen Republik
Im September 2022 brach Albanien nach einem groß angelegten Cyberangriff, den die albanische Regierung der Islamischen Republik zuschrieb, die diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab und wies die Diplomaten der Islamischen Republik aus. Der neue Vorwurf aus Tirana kommt zu einer Zeit, in der mehrere europäische Länder in den vergangenen Wochen Sabotage- und Terroroperationen der Islamischen Republik auf ihrem Boden aufgedeckt haben, darunter Deutschland, das nach einem Urteil eines Hamburger Gerichts den Botschafter der Islamischen Republik einbestellte.
Der albanische Ministerpräsident sagt, Zehntausende gefälschte Konten mit Verbindungen zur Islamischen Republik heizten unter dem Deckmantel von Umweltaktivismus das Chaos in Tirana an.

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