Die Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress am 3. November hat die Islamische Republik in der Frage eines Abkommens mit Washington gespalten. Am 5. und 6. November stritten Zeitungen und Persönlichkeiten aus verschiedenen Lagern des Regimes offen darüber, ob man die Schwächung Donald Trumps für ein Abkommen nutzen oder den Druck auf die Straße von Hormus aufrechterhalten solle.
Auf der einen Seite forderten Zeitungen aus dem Umfeld von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf die Abgeordneten auf, ein Verhandlungsabkommen anzustreben, und erklärten, das Regime solle Trumps Niederlage nutzen, um verbindliche wirtschaftliche Zusagen zu erhalten. Auch die der Teheraner Stadtverwaltung nahestehende Zeitung forderte rasche Diplomatie und warnte, die Störungen der Schifffahrt hätten die Lieferketten zermürbt und die Lebensmittelpreise steigen lassen. Eine reformorientierte Zeitung begrüßte den Vorschlag von Außenminister Abbas Araghchi, die Spannungen in der Straße von Hormus binnen zwei Tagen zu verringern.
Das Lager der Revolutionsgarde: Die Meerenge soll geschlossen bleiben
Auf der anderen Seite behauptete die Teheraner Zeitung Kayhan, die politischen Mehrheiten in Washington hätten keinen Einfluss auf das, was sie die „operative Vorherrschaft“ der Islamischen Republik über Hormus nennt, und eine der Revolutionsgarde nahestehende Zeitung schrieb, das Regime solle die Wasserstraße nutzen, gleich welche Partei den Kongress kontrolliere. Ein ständiger Kommentator des Staatsfernsehens schlug vor, die Straße von Hormus vollständig geschlossen zu halten, damit die US-Seeblockade für Washington so kostspielig werde wie der Krieg.
Mojtaba Chamenei, der Führer der Islamischen Republik, nannte in einer am 4. November veröffentlichten Botschaft jede Hoffnung auf ein verändertes Verhalten der USA nach dem Machtwechsel im Kongress einen „schweren Fehler“ und warnte, jede Neigung zur Kapitulation schwäche den Rückhalt im Inneren. Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, bezeichnete das Wahlergebnis auf X als strategische und politische Niederlage Trumps; die New York Times berichtete jedoch, er habe in vertraulichen Gesprächen Bereitschaft gezeigt, über das Atomprogramm zu sprechen, und spiele gemeinsam mit Araghchi und Ghalibaf eine Rolle in den von Katar vermittelten Verhandlungen.
Eine Wirtschaft, die kein Öl mehr exportiert
Hinter dem Streit steht eine Wirtschaft, die unter Krieg und Blockade zum Stillstand gekommen ist. Nach Daten des Schiffsverfolgungsunternehmens Kpler wurde seit Anfang August keine Ölladung mehr für den Export aus dem Iran verladen. Die Schäden der erzwungenen Schließungen im vergangenen Jahr für die iranische Wirtschaft wurden zudem auf rund 34 Milliarden Dollar geschätzt.
Am Donnerstag übermittelte die Islamische Republik den USA über Katar einen neuen Atomvorschlag, knüpfte dessen Weiterverfolgung aber an die Annahme ihrer sieben Bedingungen. Trump sagte seinerseits nach einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam, er werde bald über eine Wiederaufnahme der Angriffe entscheiden.
Seit Anfang August wurde keine Ölladung mehr für den Export aus dem Iran verladen, doch die Lager des Regimes streiten weiter über ein Abkommen oder die Schließung von Hormus.

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