Das Verfahren gegen Amirsalar Davoudi, Rechtsanwalt und Verteidiger von Alireza Sepahi, einem hingerichteten Demonstranten des Januaraufstands (Dey), ist von der 18. an die 11. Ermittlungskammer der Revolutionsstaatsanwaltschaft Isfahan übergegangen. Leiter dieser Kammer ist Mohammad Faridanizadeh – derselbe Ermittlungsrichter, den Davoudi und seine Kollegin Shahrzad Shahbazi zuvor wegen Folter und sexueller Übergriffe an ihren Mandanten angezeigt hatten.
Nach Angaben informierter Quellen, die mit Radio Farda sprachen, wurde auch die Prüfung eben dieser Anzeige Faridanizadeh selbst übertragen. Eine der Quellen sagte, der Angezeigte und Beschuldigte jenes Verfahrens sei nun Ermittlungsrichter im Verfahren gegen den Anzeigeerstatter. Faridanizadeh leitete zuvor die 15. Kammer und war für die Verfahren gegen die Festgenommenen des Januaraufstands in Isfahan zuständig; DIAR hatte bereits berichtet, dass auch die Folteranzeige von Taraneh und Romina Rahimi diesem Ermittlungsrichter übertragen wurde.
Festnahme im Revolutionsgericht Isfahan
Beamte des Geheimdienstministeriums nahmen Amirsalar Davoudi am Morgen des Sonntags, 11. Oktober 2026, im Revolutionsgericht Isfahan fest, als er sich um das Verfahren eines anderen Mandanten kümmerte. Er sitzt seit mehr als drei Wochen in Haft. Sein Anwalt Mehdi Karimi Farsi hat mehrfach bei der Staatsanwaltschaft vorgesprochen, aber keine Antwort erhalten. Laut einer Quelle wurde ihm gesagt, Davoudi habe Einspruch gegen den Haftbefehl eingelegt, weshalb der Fall nicht vor Gericht gekommen sei – obwohl das Gesetz eine Entscheidung über einen solchen Einspruch binnen drei Tagen vorschreibt.
Asadollah Jafari, Leiter der Justiz der Provinz Isfahan, sagte zwei Tage nach der Festnahme, Grund dafür sei die Veröffentlichung einer Tonaufnahme der Trauung von Alireza Sepahi und seiner Verlobten gewesen. Davoudi seien die Vorwürfe der „Verbreitung von Lügen im Internet mit dem Ziel, die öffentliche Meinung zu verunsichern“, der „Anstiftung der Bevölkerung, einander zu töten, mit dem Ziel, die Sicherheit des Landes zu stören“ und der „Propaganda gegen das System“ eröffnet worden. Personen aus seinem Umfeld weisen die Behauptung zurück, er habe die Aufnahme an Medien im Ausland geschickt; er habe sie lediglich auf seiner eigenen Instagram-Seite veröffentlicht.
Der Fall Alireza Sepahi
Alireza Sepahi gehörte zu den Angeklagten im Verfahren um den Tod von vier Beamten einer Polizei-Spezialeinheit auf dem Alikhani-Platz in Isfahan während der Proteste vom 8. Januar 2026 und wurde zum Tode verurteilt. Am 28. Juli 2026 wurde er in Einzelhaft verlegt, erlitt jedoch Stunden vor der Vollstreckung einen Herzinfarkt, und die Hinrichtung wurde verschoben. Davoudi und Shahbazi übernahmen daraufhin sein Mandat und beantragten die Wiederaufnahme des Verfahrens. Nach Angaben der Anwälte zeigten Standortdaten von Sepahis Mobiltelefon und Aufnahmen von ihm und seiner Mutter in einem Geschäft, dass er sich zur Tatzeit in der Mofatteh-Straße aufhielt, nicht auf dem Alikhani-Platz. Der Oberste Gerichtshof ließ die Wiederaufnahme zu, doch die 2. Kammer des Revolutionsgerichts Isfahan lehnte den Antrag in weniger als 48 Stunden und ohne Verhandlung ab.
Am 4. Oktober 2026 heiratete Sepahi Mahshad Kashani; Davoudi vollzog die Trauung und gab sie auf Instagram bekannt. Am Tag darauf, dem 5. Oktober, richtete die Staatsmacht ihn im Gefängnis von Isfahan hin. Davoudi nannte die Hinrichtung ungerecht und forderte Justizchef Gholamhossein Mohseni-Ejei zu einer unzensierten Live-Debatte heraus. Wenige Tage später wurde er festgenommen.
Im Verfahren um den Alikhani-Platz wurden 59 Menschen festgenommen und 14 zum Tode verurteilt; sieben Urteile wurden bereits vollstreckt. Auch Somayeh Afshar, die Mutter von Alireza Sepahi, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Der Anwalt, der den Ermittlungsrichter der Folter beschuldigt hatte, ist nun Beschuldigter in einem Verfahren, das eben dieser Richter führt.

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