Der Ölkonzern Aramco, das größte Ölunternehmen der Welt, hat am Donnerstag, dem 22. Oktober 2026, die Mitarbeiter seiner Zentrale in der Stadt Dhahran im Osten Saudi-Arabiens angewiesen, das Gebäude zu verlassen und bis auf Weiteres von zu Hause aus zu arbeiten. Es ist die erste Anordnung zur Räumung der Aramco-Zentrale seit Beginn des Krieges mit der Islamischen Republik; sie erging einen Tag nach dem tödlichen Angriff der Huthi auf den König-Fahd-Flughafen in Dammam.
Sechs informierte Quellen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, der genaue Grund für die Anordnung sei unklar; Aramco reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Drei weiteren Quellen zufolge, die mit der Nachrichtenagentur AFP sprachen, arbeiteten die meisten Mitarbeiter seit dem Angriff auf das Gebäude in der vergangenen Woche bereits von zu Hause, und nur unverzichtbares Personal war vor Ort geblieben; die neue Anordnung betrifft auch dieses Personal. Die Quellen bezeichneten die Entscheidung als Vorsichtsmaßnahme; wie lange sie gelten wird, ist noch unklar.
Angriffe der Huthi auf saudische Ölanlagen
Die Huthi, Verbündete der Islamischen Republik im Jemen, hatten Anfang dieses Monats die Aramco-Zentrale in Dhahran mit einer ballistischen Rakete angegriffen; nach Angaben aus Unternehmenskreisen wurden mehrere obere Stockwerke eines der Bürotürme beschädigt und gerieten in Brand. Zuvor hatten die Huthi Zivilisten aufgerufen, dieses Gebäude, den König-Khalid-Flughafen in Riad und eine mit Aramco verbundene Raffinerie zu verlassen.
Am Mittwochabend, dem 21. Oktober, forderte zudem ein Raketen- oder Drohnenangriff auf den König-Fahd-Flughafen in Dammam nahe Dhahran zwei Tote, einen saudischen Staatsbürger und einen indischen Staatsangehörigen, sowie acht Verletzte. Es war der zweite Angriff auf diesen Flughafen in weniger als zwei Wochen. Die Huthi bekannten sich dazu und erklärten, auch das saudische Verteidigungsministerium in Riad und Aramco-Anlagen in Yanbu angegriffen zu haben; saudische Behörden haben diese beiden Behauptungen nicht bestätigt. Die von Saudi-Arabien geführte Koalition erklärte, mehrere Drohnen über Riad und Medina sowie mehrere ballistische Raketen abgefangen zu haben.
Reaktion der Märkte und Ausreiseanordnung für US-Diplomaten
Der Leitindex der saudischen Börse fiel nach Bekanntwerden der Nachricht um 2,5 Prozent, und der Preis für Brent-Öl stieg um fast 3 Prozent auf rund 112 Dollar, den höchsten Stand seit Mai. Zuvor hatte das US-Außenministerium die Ausreise des nicht unbedingt benötigten Personals aus Saudi-Arabien angeordnet.
Die Eskalation der Huthi-Angriffe in den vergangenen Wochen hat die 2022 unter Vermittlung der Vereinten Nationen geschlossene Waffenruhe faktisch zunichtegemacht und eine neue Front im regionalen Krieg eröffnet: eine Front, an der die Stellvertretertruppen der Islamischen Republik die Energieinfrastruktur der Nachbarn Irans ins Visier nehmen.
Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn hat Aramco seine Zentrale in Dhahran unter der Bedrohung durch die Huthi geräumt.

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